Ich bemühe mich, in diesem kleinen Blog leise Töne anzuschlagen. Denn allzu sehr geht mir, insbesondere in der digitalen Welt, die Tendenz auf die Nerven, dass nahezu alles immer eine Nummer größer zu sein hat als das Ding von Gestern.
Mindestens „phan-tas-to-matisch“. Darunter machen wir es nicht mehr.
Auf Pinterest ist – gefühlt – jedes zweite Gericht das „beste, was Du jemals gegessen hast“. Selbst Qualitätsmedien blasen ein starken Wind zum vermeintlichen Mega-Sturm auf. Und die Headline „Was er Unglaubliches sah, als er die Klotür aufmachte“ ist vielleicht eine geeignete Masche, um kurzfristig Klicks von verblödeten Internet-Trollen abzugreifen. Die publizistische Kultur geht aber damit schneller in die Hose als Sebastian Haffner im Grab rotieren kann.

Viel schneller und leckerer geht es nicht
Insofern habe ich mich auch bei dem Titel dieses Posts zu den wunderbaren Gnocchi di Ricotta ein wenig zurückgenommen. Denn tatsächlich kenne ich kaum ein Rezept, das in so kurzer Zubereitungszeit so großen Genuss verspricht. Hier wäre durchaus noch ein bisschen mehr Tschinderassa-Bumm angebracht gewesen. Denn diese herrlichen kleinen Teigkissen, die tatsächlich ganz ohne Ei auskommen, haben einen so wunderbaren Biss, eine nachgerade himmlische, seidige Spannung, dass sie der Herrgott direkt aus dem Himmel gesandt haben muss. Und wenn sie sich mit Tomatensauce und Parmesan zu einer kulinarischen Traumhochzeit verbinden, dann ist das ein dickes Ausrufezeichen wert. Man möge mir bitte mal ein Rezept zeigen, mit dem man in kürzerer Zeit mehr Genuss in der Küche zaubern kann. Selbst meine Frau, die nun wahrlich nicht zu den großen Gnocchi-Liebhabern unserer Zeit gehört, ist hellauf begeistert.

Fremde Federn
Der Vollständigkeit halber muss ich erwähnen, dass das Rezept zu den Gnocchi di Ricotta vom wunderbaren Blog Anonyme Köche stammt. Ich habe mir lediglich erlaubt, die im Original-Rezept angegebene Muskatnuss durch das französische Quatre Epices Gewürz zu ersetzen. Das ist nicht wirklich der Tatsache geschuldet, dass sich damit eine substantielle geschmackliche Verbesserung erzielen ließe. Doch mit der Zeit hat sich bei mir die Erkenntnis durchgesetzt, dass es in nahezu allen Rezepten eine gute Idee ist, statt Muskatnuss das komplexere und spannendere Quatre Epices zu nehmen. Für Kartoffelpüree zum Beispiel. Mit der Folge, dass wir Muskatnuss schon seit Jahren nicht mehr vorrätig haben.
Den Blog von Claudio habe ich übrigens schon an anderer Stelle gelobt, doch im Endeffekt kann man dieses absolute Highlight unter den Food Blogs nicht oft genug empfehlen. Und insofern möchte ich dieses Rezept auch als Ansporn verstanden wissen, Claudios Blog zu besuchen. Es lohnt sich nämlich immer.

Gnocchi di ricotta
Zutaten
- 500 g Ricotta
- 100 g Geriebener Parmesan
- 250 g 500er Weizenmehl, besser Tipo 0 aus Italien
- Etwas Quatre Epices, alternativ Muskatnuss
- Salz
Anleitungen
- Den Ricotta, falls notwendig, abtropfen lassen. Dann gut mit dem Parmesan mischen. Das geht am besten mit der Hand.
- Im Anschluss das Mehl einarbeiten. Der Witz ist, gerade soviel Mehl zu nehmen, dass der Teig ausreichend Stabilität bekommt. Aber nicht mehr!Die gute Nachricht: selbst wenn man mehr Mehl nimmt als es der erfahrene Gnocchi-Hersteller tun würden, werden die kleinen Päckchen köstlich.Also: kein Stress.
- Den Teig mit Salz und Quattre Epices abschmecken, ca. 6 – 8 mm dick ausrollen und in nicht zu große Stücke schneiden. Keinesfalls größer als 1 cm Länge, eher etwas kürzer.
- Die Gnocchi in leicht sprudelndem Wasser kochen bis sie oben auf schwimmen. Dann sind sie fertig.
- Im Anschluss die Gnocchi sorgfältig in der Tomatensauce schwenken und erst dann servieren.
Neue Beiträge per Mail
Du möchtest benachrichtigt werden, wenn ich einen neuen Artikel auf cookin‘ veröffentliche?
Kein Problem.
Trage Dich einfach hier ein und Du wirst per eMail über neue Beiträge informiert. Dieser Service ist natürlich kostenlos – Du gehst keinerlei Verpflichtungen ein und kannst Ihn jederzeit abbestellen.




4 Comments
Emily
20. Mai 2022 at 11:25Diese Gnocchi sind wirklich ratz- fatz gemacht und mit Pesto oder Käse ein schnelles, frisches, vorzügliches Essen. Es war mein erster Versuch, gleich gelungen. Ich kann nur jede/n ermutigen, sich da mal drüber zu wagen! Es zahlt sich aus! Kartoffel- Gnocchi sind ungleich mehr Aufwand. Diese aber gehen rasch!
Oliver
14. Juni 2022 at 12:54Hallo Emily,
vielen Dank für die tolle Rückmeldung.
Herzliche Grüße,
Oliver
Birgit
4. Januar 2026 at 19:53Lieber Oliver,
auch ein später Kommentar ist manchmal ein guter Kommentar 😃 Ich stand gestern im Supermarkt, hatte zu Hause im Schmortopf ein Kalbsragout Marengo und wollte eigentlich Kartoffelgnocchi dazu machen. War aber schon spät und ich hatte tatsächlich ein Paket Fertig-Gnocchi in der Hand. Huh, kurzer Blackout😲 Die Dinger fūhlten sich schon in der Verpackung
seltsam an. Also schnell zurückgestellt. (hat wohl nur die KI gesehen). Handy raus, Ricotta-Gnocchi gegoogelt und zum Glück bei Dir gelandet.
Habe das Rezept halbiert und ebenso die Mehlmenge. Hat wunderbar funktioniert und super geschmeckt. Und warum jetzt nur 4 Sterne? Das einzige Manko: die Optik. Unerfahrene Gäste dachten, ich hätte Tofuwūrfel zum Ragout serviert 😂. Aber der Geschmack hat sie dann zum Glück überzeugt. Danke.
Oliver
5. Januar 2026 at 9:22Liebe Birgit,
herzlichen Dank für die tolle Rückmeldung.
Zur Optik: das ist am Ende Übungssache. Da bin auch ich von Perfektion weit entfernt. Gerade in Italien kann man an vielen Gerichten sehen, dass die vermeintlich einfachen Gerichte ganz schön viel handwerkliches Können erfordern.
Außerdem liegt ja auch im Nicht-perfekten ein Reiz 🙂
Herzliche Grüße,
Oliver