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Rezepte

Frühling Salat

Tomaten-Gurken-Salat mit Sumach-Zwiebeln

Als wir vor einigen Jahren in der Türkei im Hinterland unterwegs waren, gab es mittags in einem Restaurant Zwiebel-Tomaten-Salat mit Huhn.

Die Zwiebeln konnte man beim Reinkommen schon besichtigen.

Es waren sehr, sehr viele.

Uns schwante Ungutes.

In unseren Gehirnen machten sich sorgenvolle Vorstellungen, die rohen Zwiebeln betreffend, breit. Wir fürchteten todesmiesen Geschmack im Mund und Raketen-mäßige Blähungen.

Das Mittagessen kam.

Der Tomaten-Zwiebel Salat (Verhältnis Tomate-Zwiebel: fifty-fifty) war zum Niederknieen lecker und erstaunlich mild.

Und sowohl der befürchtete Geschmack im Mund sowie die Flatulenzen im Nachgang blieben aus.

Was war passiert?

Im arabischen Raum ist es vielfach üblich, Tomaten mit einem Gewürz namens Sumach zu würzen. Und dieses Gewürz, mit dem die Zwiebeln massiert und mariniert werden, sorgt offenbar dafür, dass die Zwiebeln sowohl ihre Schärfe als auch ihr Verdauungs-mäßig herausfordernden Eigenschaften verlieren.

Nebenbei ist das Gewürz ziemlich köstlich.

Was will man mehr? Continue Reading

Fleisch

Butter Chicken

Das Internet ist voll mit Rezepten für Butter Chicken.

Warum also noch eins?

Dazu eine kleine Geschichte: meine Frau und ich waren 2010 auf Hochzeitsreise in Indien. Als erklärter Butter Chicken-Fan (sozialisiert in den vielfach sehr guten indischen Restaurants in London) habe ich dort sehr häufig Butter Chicken gegessen.

Daraus habe ich zwei Dinge gelernt.

Erstens: man bekommt fast überall in Indien ein gutes Butter Chicken (fairerweise muss man dabei sagen, dass wir viel mit lokalen Guides unterwegs waren, die ihre Pappenheimer wohl kannten. Insofern ist diese kleine subjektive Marktforschung mit Vorsicht zu genießen).

Zweitens, und diese Erkenntnis hat sich bei mir erst nach unserer Rückkehr eingestellt: in Deutschland bekommt man nahezu nirgends gutes Butter Chicken. Fast noch schwieriger ist es, seriöse deutsch-sprachige Rezepten im Internet zu finden.

Warum ist das so?

Die indische Küche ist aufwändig und erfordert Zeit und Hingabe. Vielen indischen Restaurants sowie einschlägigen Bloggern in Deutschland scheint eins von beidem (oder beides) zu fehlen.

Meine These: das liegt weniger an den Betreibern dieser Restaurants bzw. Foodblogs sondern am deutschen Publikum, das in Sachen Essensqualität grundsätzlich eher anspruchslos ist und im Zweifelsfalls das „schnell und günstig“ dem „aufwändig, dafür gut“ vorzieht.

Lange Rede – kurzer Sinn. Etwas Eigenes musste her.

Was habe ich gemacht?

Ich habe mich an englischsprachige Rezepte gehalten und von dieser Basis aus das Rezept so lange optimiert, bis ein Butter Chicken dabei herausgekommen ist, das ich mit gutem Gewissen meiner indischen Schwiegermutter servieren würde (wenn ich eine hätte)

Es ist nicht zu süß, hat eine tolle aromatische Tiefe durch die langsam angerösteten Gewürze und eine schöne Konsistenz durch die Cashewnüsse.

Ich bin zufrieden. Continue Reading

Gemüse Winter

Geröstete Karotten mit lauwarmem Linsensalat

Die Idee für dieses wunderbare (und vegetarische) Gericht stammt aus dem Café der Tate Modern-Gallery in London.

Wir waren vor einiger Zeit über Silvester mit den Kindern in London – übrigens schon das zweite Mal in jenem Jahr, weil die ganze Familie in den Sommerferien so begeistert gewesen war.

Nun ist London entgegen der langläufigen Meinung gar nicht so teuer. Jenseits der Touristenfallen wie dem London Eye oder dem Dungeon gibt es nämlich, besonders mit den großen Museen, eine Vielzahl großartiger Freizeitaktivitäten, die nicht nur völlig kostenlos sind (abgesehen von aufpreispflichtigen Sonderausstellungen) sondern auch maximal kindgerecht.

In der besagten Tate Modern zum Beispiel gibt es tolle Schnitzeljagden durchs Museum und digitale Arbeitsplätze, an denen man malen kann und die Bilder automatisch riesengroß auf die Wände projiziert werden.

Darüber hinaus beherbergt die Tate Modern eine Café namens „Corner“, das nicht nur guten Kaffee und beste Cocktails serviert sondern auch hervorragendes Essen (eigentlich müsste man mal einen Bus mit deutschen Museumsdirektoren dort hin schicken, auf dass diese staunen, sich abgrundtief über ihr Pommes-Currywurst-Sandwich-Angebot schämen, sofort nach Hause fahren und vieles viel besser machen.)

Das Rezept ist deutlich arabisch angehaucht, und durch die herzhaften, süßen, röstigen Karotten braucht man hier wirklich keinerlei Fleisch mehr. Continue Reading

Brot

Dinkelvollkornbrot

Wenn Du meinen Blog schon etwas länger verfolgst, dann weißt Du (hoffentlich 🙂 ), dass ich nicht zur Großmauligkeit neige.

(Kleine Anekdote nebenbei: das einzige Rezept, für das ich schon beim Titel richtig auf die Pauke gehauen habe, nämlich „Die beste Ente der Welt“, ist seit Jahren das erfolgreichste Nicht-Brot-Rezept auf diesem Blog. Ob das für das Rezept oder gegen das Internet spricht, sei mal dahin gestellt.)

Zurück zum Dinkelvollkornbrot: wäre ich ein Szene-üblicher Food Influencer auf TikTok, ich würde bei diesem Brot die Augen verdrehen, ungläubig und überwältigt vor lauter Genuss in die Kamera starren und Laute von mir geben, die völlig zurecht außerhalb von Schlafzimmern nichts verloren haben.

Nun bin ich Gott-sie-Dank kein Food Influencer auf TikTok

Trotzdem haue ich jetzt mal einen raus: dieses Dinkelvollkornbrot ist absolute Weltklasse.

Es ist in Sachen Geschmack, Saftigkeit, Kruste und Haltbarkeit nicht zu schlagen. Dinkelvollkornbrot geht anders, besser geht es nicht. Continue Reading

Frühling Snacks

Tramezzini mit Eiersalat

Wenn es eine Top 3 der am übelsten in der öffentlichen Gunst abgeschmierten Gerichte gäbe, dann wäre das „Schnittchen“ in dieser Top 3 mit Sicherheit vertreten (gemeinsam mit dem Mettigel vermutlich).

Wenn ich mich richtig erinnere, ist das „Schnittchen“ in meiner Wahrnehmung das letzte Mal in dem Hape Kerkeling-Film „Kein Pardon“ öffentlich aufgetaucht. Dort versammelt sich die ganze Familie abends vor dem Fernseher, schmachtet den aufgeblasenen Show-Master Heinz Wäscher an und mümmelt Leberwurst-Schnittchen.

Nun ist gegen das Abschmieren an sich überhaupt nichts zu sagen.

Alles hat seine Zeit. Und es ist bestimmt nicht schlimm, dass zum Beispiel der Mettigel quasi ausgestorben ist.

Was aber das Thema Schnittchen angeht, so will ich hier doch mal eine Lanze brechen.

Schnittchen können extrem lecker sein, wenn man sie zum Beispiel mit selbst gemachtem Eiersalat, hauchdünn gehobelten Radieschen und etwas Kresse serviert.

Wenn man die Schnittchen dann auch noch „Tramezzini“ nennt, stimmt auch das Marketing und selbst die oberflächlicheren Freunde, die man eigentlich schon seit Ewigkeiten nicht mehr einladen wollte, sind begeistert.

Als Vorspeise oder als Alternative bzw. Ergänzung zu einer deftigen Jausenplatte eignen sich die Tramezzini hervorragend. Und zu Champagner, Sekt und guten Weißweinen gibt es kaum etwas Besseres. Continue Reading