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Rezepte

Fleisch

Lamm Korma

Vor vielen, vielen Jahren besuchten meine damalige Freundin und ich einen Kochkurs der Volkshochschule Düsseldorf mit dem Titel „Indisch kochen“. Der Kurs fand in einer Hauswirtschaftsschule statt, war dank neonlichtheller Lehrküche maximal Instagram-untauglich (soziale Medien gab es damals glücklicherweise noch nicht) und ganz große Klasse.

Unsere Dozentin, eine Inderin, die es nach Düsseldorf verschlagen hatte, führte uns kompetent in die indische Küche ein.

Dabei wurde sie nicht müde, uns die, aus ihrer Sicht, wichtigste Zutat für die indische Küche zu predigen: Geduld.

Auch dieses Rezept lebt von Geduld: insbesondere das vorsichtige Schmoren der Zwiebeln ist extrem wichtig. Davor profitiert das Fleisch davon, wenn es mariniert wird.

Belohnt wirst Du für Deine Geduld mit einem süffigen, dezent-süßen, authentischen Hochgenuss. Continue Reading

Brot

Sehr fluffige Brötchen mit 50% Vollkornmehl

Der Legende nach wurden die so genannten „Herrgottsbescheißerle“ von Zisterziensermönche im württembergerischen Kloster Maulbronn erfunden.

Um das 17./ 18. Jahrhundert herum steckten die frommen Männer in einem Dilemma: sie mussten die Regeln der Fastenzeit einhalten, hatten aber stabil Lust auf Fleisch.

Was tun?

Die Lösung waren Maultaschen, in denen die Mönche das Fleisch in der Fastenzeit vor dem Blick des Allmächtigen versteckten konnten.

Geboren war der Begriff „Herrgottsbescheißerle“.

Nun kann man die Absichten der Mönche durchaus moralisch hinterfragen.

Das Ziel dieser Brötchen, intern „Kinderbescheißerle“ genannt, nämlich Kindern Vollkornmehl unterzujubeln, ist dagegen wesentlich edler.

Denn Vollkornmehl ist auf der einen Seite bei Kindern grundsätzlich so beliebt wie die Impfung bei der groben Kinderärztin. Andererseits ist Vollkornmehl gesund und wesentlich nahrhafter (Ballaststoffe) als die üblichen hellen Weizenmehle.

Was also tun?

Wir „verstecken“ das Vollkornmehl in sehr fluffigen, leckeren Brötchen. So fällt der Vollkornanteil nicht weiter auf und die Kinder ziehen sich unbemerkt das gute Mehl freiwillig rein. Um da Ganze noch besser zu machen, besteht die andere Hälfte des Mehles aus Ruchmehl. Das ist nicht nur sehr, sehr lecker, sondern enthält auch wesentlich mehr Ballaststoffe als 550er Weizenmehl.

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Frühling Salat

Tomaten-Gurken-Salat mit Sumach-Zwiebeln

Als wir vor einigen Jahren in der Türkei im Hinterland unterwegs waren, gab es mittags in einem Restaurant Zwiebel-Tomaten-Salat mit Huhn.

Die Zwiebeln konnte man beim Reinkommen schon besichtigen.

Es waren sehr, sehr viele.

Uns schwante Ungutes.

In unseren Gehirnen machten sich sorgenvolle Vorstellungen, die rohen Zwiebeln betreffend, breit. Wir fürchteten todesmiesen Geschmack im Mund und Raketen-mäßige Blähungen.

Das Mittagessen kam.

Der Tomaten-Zwiebel Salat (Verhältnis Tomate-Zwiebel: fifty-fifty) war zum Niederknieen lecker und erstaunlich mild.

Und sowohl der befürchtete Geschmack im Mund sowie die Flatulenzen im Nachgang blieben aus.

Was war passiert?

Im arabischen Raum ist es vielfach üblich, Tomaten mit einem Gewürz namens Sumach zu würzen. Und dieses Gewürz, mit dem die Zwiebeln massiert und mariniert werden, sorgt offenbar dafür, dass die Zwiebeln sowohl ihre Schärfe als auch ihr Verdauungs-mäßig herausfordernden Eigenschaften verlieren.

Nebenbei ist das Gewürz ziemlich köstlich.

Was will man mehr? Continue Reading

Fleisch

Butter Chicken

Das Internet ist voll mit Rezepten für Butter Chicken.

Warum also noch eins?

Dazu eine kleine Geschichte: meine Frau und ich waren 2010 auf Hochzeitsreise in Indien. Als erklärter Butter Chicken-Fan (sozialisiert in den vielfach sehr guten indischen Restaurants in London) habe ich dort sehr häufig Butter Chicken gegessen.

Daraus habe ich zwei Dinge gelernt.

Erstens: man bekommt fast überall in Indien ein gutes Butter Chicken (fairerweise muss man dabei sagen, dass wir viel mit lokalen Guides unterwegs waren, die ihre Pappenheimer wohl kannten. Insofern ist diese kleine subjektive Marktforschung mit Vorsicht zu genießen).

Zweitens, und diese Erkenntnis hat sich bei mir erst nach unserer Rückkehr eingestellt: in Deutschland bekommt man nahezu nirgends gutes Butter Chicken. Fast noch schwieriger ist es, seriöse deutsch-sprachige Rezepten im Internet zu finden.

Warum ist das so?

Die indische Küche ist aufwändig und erfordert Zeit und Hingabe. Vielen indischen Restaurants sowie einschlägigen Bloggern in Deutschland scheint eins von beidem (oder beides) zu fehlen.

Meine These: das liegt weniger an den Betreibern dieser Restaurants bzw. Foodblogs sondern am deutschen Publikum, das in Sachen Essensqualität grundsätzlich eher anspruchslos ist und im Zweifelsfalls das „schnell und günstig“ dem „aufwändig, dafür gut“ vorzieht.

Lange Rede – kurzer Sinn. Etwas Eigenes musste her.

Was habe ich gemacht?

Ich habe mich an englischsprachige Rezepte gehalten und von dieser Basis aus das Rezept so lange optimiert, bis ein Butter Chicken dabei herausgekommen ist, das ich mit gutem Gewissen meiner indischen Schwiegermutter servieren würde (wenn ich eine hätte)

Es ist nicht zu süß, hat eine tolle aromatische Tiefe durch die langsam angerösteten Gewürze und eine schöne Konsistenz durch die Cashewnüsse.

Ich bin zufrieden. Continue Reading

Gemüse Winter

Geröstete Karotten mit lauwarmem Linsensalat

Die Idee für dieses wunderbare (und vegetarische) Gericht stammt aus dem Café der Tate Modern-Gallery in London.

Wir waren vor einiger Zeit über Silvester mit den Kindern in London – übrigens schon das zweite Mal in jenem Jahr, weil die ganze Familie in den Sommerferien so begeistert gewesen war.

Nun ist London entgegen der langläufigen Meinung gar nicht so teuer. Jenseits der Touristenfallen wie dem London Eye oder dem Dungeon gibt es nämlich, besonders mit den großen Museen, eine Vielzahl großartiger Freizeitaktivitäten, die nicht nur völlig kostenlos sind (abgesehen von aufpreispflichtigen Sonderausstellungen) sondern auch maximal kindgerecht.

In der besagten Tate Modern zum Beispiel gibt es tolle Schnitzeljagden durchs Museum und digitale Arbeitsplätze, an denen man malen kann und die Bilder automatisch riesengroß auf die Wände projiziert werden.

Darüber hinaus beherbergt die Tate Modern eine Café namens „Corner“, das nicht nur guten Kaffee und beste Cocktails serviert sondern auch hervorragendes Essen (eigentlich müsste man mal einen Bus mit deutschen Museumsdirektoren dort hin schicken, auf dass diese staunen, sich abgrundtief über ihr Pommes-Currywurst-Sandwich-Angebot schämen, sofort nach Hause fahren und vieles viel besser machen.)

Das Rezept ist deutlich arabisch angehaucht, und durch die herzhaften, süßen, röstigen Karotten braucht man hier wirklich keinerlei Fleisch mehr. Continue Reading