Kuchen, Gebäck & Co. Winter

Vive la France – Französische Apfel-Tarte

Wie in dem ein oder anderen Artikel bereits erwähnt, waren wir dieses Jahr zwei Mal in Frankreich im Urlaub – jeweils in der Normandie und der Bretagne. Das ist für uns insofern ungewöhnlich, als dass wir grundsätzlich eher dazu tendieren, Neues auszuprobieren als Bekanntes aufzuwärmen. Dazu kommt, dass meine Frau und ich nahezu kein Französisch sprechen. Speisekarten sind keine Problem und das Reservieren im Restaurant auch nicht. Sobald die Herausforderungen jedoch etwas komplexer werden, klappen unsere Sprachkenntnisse in sich zusammen wie das sprichwörtliche Kartenhaus.

Nun gilt ja der „Franzose an sich“, wenn man die alte Klischee-Kiste aufwärmt, als eher muffelig anderen Sprachen gegenüber. Doch – Stichwort „Klischee“ – wie falsch kann man liegen? In beiden Urlauben sind wir mit den erwähnten drei Brocken Französisch sowie Englisch und – tatsächlich insbesondere bei jungen Leuten – unser Muttersprache Deutsch wunderbar zurecht gekommen. In den wenigen Fällen, wo unser Gegenüber ausschließlich Französisch sprach, waren die Situationen eher lustig. Wie zum Beispiel in dem phantastischen Restaurant „Le Cosy“ in Quimper.

Dort nämlich musste ich beim ersten Reservieren vor Ort nicht nur meine Französisch- sondern insbesondere meine gleichermaßen unterentwickelten Pantomimen-Kenntnisse bemühen um meinen Wunsch, einen Tisch für „heute 13 Uhr Mittag“ gegenüber dem, gerade anwesenden, Koch zu versinnbildlichen. Eben jener Koch verabschiedete uns dann, nach unserem zweiten Besuch einige Tage später, mit bestem Oxford-Englisch und breitem Grinsen. Böse gemeint war das mit Sicherheit nicht sondern vermutlich eher Ausdruck eines sympathisch-schrägen Humors. Wir fühlten uns jedenfalls bestens umsorgt…

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Normandie und Bretagne sind übrigens, für wetter-technisch flexible und kulinarisch interessierte Familien, nahezu paradiesische Urlaubs-Regionen.

Es gibt unzählige, herrliche Strände. Das Angebot ist tatsächlich so groß, dass auch in der Hochsaison kaum Enge aufkommt. Dazu bieten die Regionen eine nahezu perfekte Infrastruktur für Familien, die von Museen über phantastische Aquarien (z.B. in St. Malo) bis hin zu, auch für Kinder, faszinierenden Kultur-Denkmälern wie z.B. dem Mont St. Michel reichen. Darüber hinaus gibt es jede Menge spektakuläre Natur wie zum Beispiel die wunderschöne Île de Bréhat.

Dazu – und das ist der eigentliche Clou –  ist die Region kulinarisch ein Paradies. Die Auswahl frischster Meeresfrüchte, Krustentiere und Fische lässt keine Wünsche offen. Dabei ist das Angebot weitgehend konsequent regional. Wer große Shrimps aus Asien sucht wird es schwer haben. Lokale Muscheln, Austern, Fische und Hummer dagegen gibt es an jeder Ecke und selbst in vielen Supermärkten in sehr guter bis spitzenmäßiger Qualität. Dabei ist es zum Beispiel extrem konsequent, dass die Fisch-Abteilungen in den meisten Supermärkten frühestens Montag-nachmittags bestückt werden.

Auch bei den unzähligen Restaurants bleiben keine Wünsche offen. Natürlich gibt es auch hier die ein oder andere Touristenfalle. Wer jedoch die offensichtlichen Touri-Hotspots wie zum Beispiel den Hafen von Honfleur meidet und stattdessen sein Glück in Seitenstrassen sucht, der muss sich schon enorm anstrengen um enttäuscht zu werden. Achtet man zusätzlich darauf, dass man sich Restaurants aussucht, in denen überwiegend Einheimische sitzen, kann kaum etwas schief gehen.

Mir persönlich haben es am meisten aber die vielen kleinen handwerklichen Pâtisserien und Bäcker angetan. Ich will jetzt nicht in das allgemeine Gejammer über den Niedergang des deutschen Bäckerhandwerkes einstimmen, aber was man in Frankreich in Hülle und Fülle an herzhaften und süßen Backwaren bekommt, dass ist schon einmalig. Deshalb habe ich heute, als vermutlich letztes Posting diesen Jahres, eine klassische französische Apfel-Tarte für Euch.

In diesem Sinne wünsche ich Euch an dieser Stelle ein frohes Fest und einen guten Rutsch. Die Tarte eignet sich übrigens auch wunderbar als Dessert, vielleicht mit einem Kügelchen Vanilleeis.

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3.34 von 3 Bewertungen
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Französische Apfel-tarte


Portionen 8 Personen
Autor Oliver

Zutaten

  • 3 Apfel, z.B. Boskop
  • 100 g Mehl
  • 50 g Zucker
  • 60 g Butter
  • 1 Eigelb
  • 3 EL Creme Fraiche
  • 1 Ei
  • 3 EL Joghurt
  • 2 EL Vanillezucker
  • 3 EL Aprikosen-Marmelade

Anleitungen

  1. Mehl, Zucker, Butter, Eigelb und 2 EL Wasser zu einem kompakten Teig verarbeiten. Den Teig in Frischhaltefolie einpacken und mindestens eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. 

  2. Den Teig ausrollen und eine Tarteform (24 cm Durchmesser) damit auslegen. Den Teig mit Backpapier bedecken, Hülsenfrüchte o.ä. als Blindbackmaterial darauf legen und das Ganze bei 180 Grad Umluft im Backofen blind backen.

  3. Nach 10 Minuten die Hülsenfrüchte und das Backpapier entfernen und den Boden weitere 10 Minuten backen.

  4. Creme Fraiche, Ei, Joghurt und Vanillezucker mischen. 

  5. Die Äpfel schälen und in Scheiben schneiden. 

  6. 3 EL der Creme auf dem Boden verstreichen und die Äpfel kreisförmig darauf legen. Die Aprikosen-Marmelade durch ein feines Sieb streichen. Die Äpfel zuerst mit der Aprikosenmarmelade und dann mit dem Rest der Creme bestreichen. 

  7. Die Tarte nochmal für 25 - 30 Minuten in den Ofen schieben.

 

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Dazu passt…

Schloss Lieser – Riesling Brauneberger Juffer Sonnenuhr Auslese 2005

Eigentlich muss ja Alkohol zum Dessert nicht unbedingt sein. Aber wenn Apfel im Spiel ist, dann ist eine Riesling-Auslese immer eine gute Idee, zumal wenn sie von einem Weltklasse-Weingut wie Schloss Lieser kommt. Der Wein selber ist klasse, aber in Verbindung mit den röstigen Aromen vom Teig, den Aromen von gebackenen Apfel und der Creme wird das ganze große klasse. Der Jahrgang 2005 ist hier mehr beispielhaft gemeint. Jüngere (oder auch ältere) Jahrgänge gehen natürlich auch. Glücklicherweise kann man die Auslesen von Schloss Lieser in nahezu allen Entwicklungs-Stadien trinken. In diesem Sinne: Prost 🙂

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5 Comments

  • Reply
    Karl Foster
    23. Dezember 2017 at 17:09

    Danke für das Rezept..so eine Tarte hab ich in Frankreich noch nie gesehen…………….

  • Reply
    Sandkorn
    1. Januar 2018 at 13:44

    Lieber Oliver,
    die Tarte schmeckt wunderbar frisch, fruchtig und leicht!
    Mein Teigboden war allerdings nach zweimaligen 10 Minuten Backzeit fast verbrannt; beim nächsten Mal verkürze ich die Zeit. Oder soll ich die Blindback-Erbsen die ganzen 20 Minuten belassen, was meinst Du?
    Dank und herzliche Grüße aus Schleswig-Holstein,
    Sandkorn

    • Reply
      Oliver
      2. Januar 2018 at 21:42

      Hallo Sandkorn,
      schön, dass Dir die Tarte geschmeckt hat 👍😋
      Zu Deiner Frage: nach meiner Erfahrung sind die handelsüblichen Backöfen so unterschiedlich in ihrer tatsächlichen Leistung, dass es fast immer besser ist „auf Sicht“ zu backen als sich strikt an die angegebenen Zeiten zu halten. Ich würde das Blindbackmaterial wie angegeben entfernen und den Boden dann nur so lange weiterbacken, bis er schön gold- braun ist.
      Liebe Grüße,
      Oliver

      • Reply
        Sandkorn
        4. Januar 2018 at 9:56

        Jetzt aber: 5 Sterne!
        Hat was meditatives, so vor dem Backofen zu stehen und zu gucken – diesmal habe ich es perfekt hinbekommen: nur 1 (!) Minute weniger, und der wunderbar dünne, mürbe Tarte-Boden wurde genau so wie gewünscht. Aus Versehen habe ich danach die gesamte Crème-Masse auf dem Boden verteilt. War nicht unrecht, denn so kam die Apfelspalten-Struktur nach dem Aprikotieren besser zur Geltung.
        Fazit: eine Apfeltarte der Extraklasse!
        Nochmals danke und viele Grüße,
        Sandkorn

        • Reply
          Oliver
          6. Januar 2018 at 20:33

          Schön, dass der zweite Versuch so gut funktioniert hat und vielen Dank für die Rückmeldung 🙂
          Liebe Grüße,
          Oliver

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