Fleisch Frühling

Russische Nudeln

Dieses Rezept ist seit Langem ein bedeutsamer Bestandteil der Grundversorgung unserer Familie. Es hat wohl in den letzten zehn Jahren keinen einzigen Tag gegeben, an dem in unserem Tiefkühler nicht mindestens vier Portionen dieser genialen Nudelsauce darauf gewartet haben, ihrer ureigenen Bestimmung zugeführt zu werden.

Nichts gegen Spaghetti Bollo. Wir sind große Bolognese-Fans. Doch am Ende ist die Abwechslung das Salz in der Suppe unser aller Leben. Und so brauchen auch große Pasta-Liebhaber die ein oder andere Saucen-Variation. Und wenn es eine so geniale ist wie diese hier, dann kann die nächste Portion Bolognese auch gerne mal auf kommende Woche geschoben werden.

Ich sage nur: Hühnerbrühe, Paprika, viel Lauch und zum Schluss Schmand für die Frische und Senf für die Würze.

Yummy!!!

Zum Rezept

Das Rezept entstammt einer Reihe von Koch-Büchern aus den siebziger Jahren, mit denen der allseits beliebte Gastro-Philosoph Dr. Oetker damals der geneigte Hausfrau die große, exotische Welt der internationalen Kulinarik näher zu bringen versuchte. Toast Hawaii und Putenschnitzel mit Curry-Rahmsauce sind ebenso darin zu finden wie diese vermeintlich russischen Nudeln.

Russische Nudeln

Inwieweit diese Sauce tatsächlich russischen Ursprungs ist, vermag ich nicht zu sagen.

Nachdem das Toast Hawaii meines Wissens auch nicht Nationalgericht der berühmten Inselkette im pazifischen Ozean ist, würde ich die Authentizität des Gerichtes nicht allzu hoch einschätzen. Das ist aber auch egal, denn heute möchte ich ein viel brisanteres Thema aufarbeiten, nämlich:

Wie lassen sich Sauce und Nudeln optimal verheiraten?

Diese Frage ist nicht ohne Brisanz. Denn selbst bei uns zuhause zieht sich ein bisher unüberwindlicher Graben durch die Familie bei der Frage, wann und wie Pasta und Sauce korrekterweise zu mischen sind.

Meine Frau ist der, wie ich glaube, ur-deutschen und gleichermaßen haarsträubend falschen, Auffassung, dass die Sauce oben auf die Pasta gehöre, auf dass der Esser sie zu einer schlechte Ehe vermische, in der nie wirklich zusammen findet was zusammen gehört.

Ich persönlich halte es mit den Italienern. Die mischen Pasta und Sauce in der Pfanne bzw. im Topf. Die ganz Gewitzten unter ihnen lassen die Pasta gar die letzten ein bis zwei Minuten in der Sauce gar ziehen. So kann die Sauce sich nicht nur an die Pasta anschmiegen, sie kann wortwörtlich eins mit ihr werden. Und wer schon mal in Rom eine richtig gute Bolognese gegessen hat oder herrliche Tajarin im Piemont, der weiß, dass ich Recht habe.

Basta!!! 🙂

P.S.: der guten Ordnung halber sei gesagt, dass es völlig ok bzw. sogar sehr gut ist, am Ende einen Extra-Schnaps Sauce oben auf die Nudeln zu geben.

Russische Nudeln

Russische Nudeln

Zutaten

  • 500 g Hackfleisch halb-und-halb
  • 4 EL Tomatenmark
  • 4-6 Stangen Lauch
  • 3-4 Große Zwiebeln
  • 1 Liter Hühner- oder Rinderbrühe
  • 2 – 3 EL Senf, mittelscharf
  • 400 g Schmand
  • 3 – 4 EL Paprika

Anleitungen

  1. Die Zwiebeln rustikal würfeln und in einem große Topf in Olivenöl anschwitzen. Tomatenmark und Paprika dazu geben, die Temperatur etwas reduzieren. Das Ganze unter ständigem Rühren schmorgeln und den Duft genießen.

  2. Parallel in einer Pfanne das Gehackte scharf anbraten, salzen und pfeffern und dann in den Topf zu dem Zwiebel-Tomaten-Paprika-Sugo geben.

  3. Den Lauch in Ringe schneiden und gemeinsam mit der Brühe dazu geben, Hitze reduzieren und ein gutes Stündchen köcheln. Wer großen Hunger hat, kann das Stündchen auch auf ein Halbes verkürzen.

  4. Den Topf vom Herd ziehen. Den Schmand unterrühren.

  5. Dann die Sauce mit Senf, Salz und Pfeffer sowie ggfs. mehr Paprika würzig abschmecken.

  6. Nudeln, idealerweise Spaghetti, bis ca. 90 Sekunden vor al dente kochen. Die Nudeln abschütten, mit einer großzügigen Portion Sauce in eine heiße Pfanne geben und nochmals 2 Minuten in der Sauce gar ziehen lassen.

    Mit Parmesan servieren.

Dazu passt…

Shelter Winery – Spätburgunder 2016

Hans-Bert Espe und Silke Wolf führen die Shelter Winery im schönen Baden und produzieren dort, neben einem ziemlich starken Sekt aus 100% Pinot Noir, drei Spätburgunder. Der einfachste von ihnen, der aktuell glatte 10€ kostet, heißt schlicht „Spätburgunder“ und bietet, meiner Auffassung nach, ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis. Der Wein hat erstaunliche Struktur und Tiefe für einen Spätburgunder dieser Liga und ist gleichzeitig ein perfekter Essensbegleiter, denn er ist eher schlank, ein bisschen ätherisch, hat genug Säure und kommt so bestens mit den rustikalen Nudeln klar.

Es schadet nicht, wenn der Spätburgunder 2 – 4 Jahre auf dem Buckel hat wenn man ihn trinkt.

Cheers!

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2 Comments

  • Reply
    Ralph
    3. Mai 2022 at 21:22

    Hallo Oliver, nichts gegen die beste aller Ehefrauen, um es mit Ephraim Kishon zu sagen. Bei Eurem Familienstreit liegst Du aber eindeutig richtig. Zumindest wenn man das Thema aus der italienischen Perspektive betrachtet, wird die Sauce zuerst in der Pfanne erwärmt, erst kurz vor dem Servieren werden die Nudeon IN DER Pfanne untergehoben und nach 30 Sekunden bis 1 Minute vom Feuer genommen.

    Das ist in Italien Standard von Friaul, übers Piemont, von der Emiglia bis herunter nach Neapel.

    Der Grund dabei ist einfach: Die Pasta soll dabei möglichst viel von der Sauce aufsaugen, und das bedarf eben einer gewissen Zeit an Vorlauf und Temperatur. Entscheidend dabei ist die Oberfläche der Pasta. Je gröber, desto mehr Sauce haftet an der Pasta. Deswegen sind Nudeln aus einem groben Hartweizenmehl hier am besten und Öl und Abschrecken à la deutscher Hausfrau Gift.

    Sollten das Rezept russischer Art hier etwas anderes behaupten, ist dies wohl auf einen Fehler bei der Überlieferung zurückzuführen. Die einzige interkulturelle Bereicherung und Abwandlung ist wohl nur der Schwand – der ist aber ausgesprochen lecker.

    Danke für Deinen Blog und die anregenden Rezepte,
    Ralph

    • Reply
      Oliver
      4. Mai 2022 at 15:02

      Hallo Ralph,

      Danke für Deine Einschätzung.

      Öl über die fertigen Nudeln zu geben ist tatsächlich noch so eine deutsche Unart im Zusammenhang mit Pasta, über die man sich nur wundern kann.

      Viele Grüße,

      Oliver

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