Seit Jahren laufe ich einem Phantom hinterher: dieses Phantom ist auf der einen Seite sehr real, denn es handelt es sich um ein italienisches Brot, das es bei uns auf dem Wochenmarkt gibt. Das Brot zeichnet sich durch eine dezente jedoch deutliche Gelbfärbung, einen sehr intensiven, nussigen, blumig-würzigen Geschmack sowie allerbeste Toaster-Eigenschaften aus.
Wenn das Brot schon drei oder vier Tage auf dem Buckel hat, man dann dünne Scheiben abschneidet und diese toastet, dann geht die kulinarische Post ab, dann hängt der Brothimmel voller Geigen. Denn das Toasten potenziert das herrliche, einzigartige Aroma. Die Krume wird wunderbar knusprig.
Ich wage mal zu behaupten, dass es kaum einen größeren Genuss im Brot-Universum gibt, als in eine aufgetoastete Schnitte dieses Brotes zu beißen.
Und warum „Phantom“?
Weil es mir bisher nicht gelungen war, dieses wunderbare Brot nachzubacken…
Die Herausforderung
Die Rezeptur dieses herrlichen Brotes blieb lange ein Mysterium. Mein Markt-Händler behauptet seit jeher steif und fest, dass es sich um ganz normales italienisches Weizenbrot handele. Doch das kann schon allein deshalb nicht sein, weil das Brot eben diese gelbliche Färbung aufweist. Relativ schnell viel der Verdacht auf Hartweizenmehl. Dennoch wollte sich mit den gängigen Hartweizenmehlen der charakteristische Geschmack nicht einstellen. Selbst, höchst-persönlich von uns importiertes, Hartweizenmehl aus dem Piemont produzierte zwar leckere Backwaren, der wunderbare Geschmack des Marktbrotes lies sich aber auch so nicht herstellen.
Pane di Altamura – die Lösung?
Nun begab es sich, dass der Brotdoc das Hartweizen-Mehl „Senatore Cappelli“ der Drax Mühle getestet hatte, begeistert war und einen Geschmack beschrieb, der ziemlich gut zu meinem heiß-geliebten und gesuchten Brot passte.
Sollte dieses Mehl tatsächlich die Lösung sein?
Doch wie es manchmal so ist, gestaltete sich der Weg zur Erkenntnis komplizierter als gedacht. Denn das Senatore Cappelli-Mehl war bei der Drax-Mühle ausverkauft. Und warten konnte und wollte ich nicht.
Nun hatte der Brotdoc in seinem Text erwähnt, dass er aromatisch ähnliche Ergebnisse bereits mit dem Hartweizenmehl von Bongu erzielt habe.
Somit war die Sache klar: Mehl bestellen und das Ganze ausprobieren.
Und siehe da: das Geheimnis ist gelüftet, das Mysterium ist keines mehr. Denn mit dem Semola rimacinata lässt sich tatsächlich dieser herrliche Geschmack erreichen, hinter dem ich solange her war.
Und so hat sich dieses Brot in Windeseile zum Familienliebling entwickelt. Kein Wunder, dass es auf dem Markt immer als erstes ausverkauft ist.
Pane di Altamura – Variationsmöglichkeiten
Das Pane di Altamura teckt voller Variationsmöglichkeiten. Zum Beispiel…
Lievito Madre/ Weizensauerteig/ Hefe
Die LM sollte ordentlich aktiv sein. Wer Zweifel an der Aktivität seiner Lievito Madre hat, frischt diese vor dem Backen ein oder zwei Mal auf.
Variante Weizensauerteig
Wer keine LM im Kühlschrank hat, kann auch „normalen“ Weizensauerteig verwenden. Dafür 75 g Hartweizenmehl mit 75 g Wasser und 10 g ASG mischen und 8-10 Stunden bei Raumtemperatur reifen lassen. Das Wasser im Hauptteig um 50 g reduzieren.
Variante Hefe
Wer gar keinen Sauerteig hat, gibt frische Hefe dazu (2 g bei kalter Führung, 6 g bei warmer Führung) und einen Schuss guten Fruchtessig für die Säure. Die Mehlmenge um 100 g, die Wassermenge um 50 g erhöhen.
Hartweizen-/ Weizenmehl
Im Originalrezept steht ledig „Lievito Madre“. Dabei bleibt offen, ob die LM mit Hartweizenmehl oder Weizenmehl hergestellt wird.
Das volle, typische Aroma erreicht man nur, wenn man ausschließlich Hartweizenmehl einsetzt. Dafür wird die Variante mit Weizen-LM deutlich fluffiger.
Mir gefallen beide Varianten sehr gut und wir backen sie beide regelmäßig.
Führung
Das Rezept kann kalt oder warm geführt werden. Für die warme Führung hängt v.a. die Stückgare stark von der Triebkraft der LM ab. Ich stelle den Teig für die warem Führung für eine Stunde bei 25 Grad zur Stockgare ab (alle 30 Minuten, also zwei Mal, Dehnen und Falten) und bugsiere den Teigling dann in den Gärkorb. Gebacken wird das Brot dann bei voller Gare.

Pane di Altamura
Zutaten
- 150 g Lievito Madre (TA 150)
- 440 g Hartweizenmehl „Semola rimacinata“
- 300 g Wasser
- 12 g Salz
Anleitungen
- Mehl und Wasser grob mischen und eine Stunde (!) zur Autolyse anstellen (warum die Autolyse wichtig ist und worauf Du achten solltest, erfährst Du in diesem Video).
- Im Anschluss die LM und das Salz hinzugeben.
- Variante ThermomixDen Teig im Rückwärtslauf auf Stufe 5 für zwei Minuten kneten.
- Variante Küchenmaschine (Kenwood & Co.)Alle Zutaten auf mittlerer Geschwindigkeit solange kneten, bis sich der Teig deutlich von der Schale löst.
- Es ist wichtig, dass der Teig optimal ausgeknetet ist. Denn nur dann bekommst Du einen guten Ofentrieb und eine schöne Krume. Dafür muss sich der Teig von der Kesselwand lösen und den Fenstertest bestehen. Wie Du das überprüfen kannst, erfährst Du in diesem Erklärvideo.
- Den Teig bei Raumtemperatur 30 Minuten "anspringen" lassen und ein Mal dehnen und falten (Dehnen & Falten ist ein wichtiger Arbeitsschritt beim Brotbacken. Warum das so ist und wie es funktioniert erfährst Du in diesem Erklärvideo). Im Anschluss für ca. 10 Stunden in den Kühlschrank verfrachten. Idealerweise ins 0 Grad-Fach, alternativ so weit nach unten im Kühlschrank wie möglich – denn dort ist es am kältesten.
- Am Backtag den Teig für 30 Minuten bei Raumtemperatur "akklimatisieren" lassen. Parallel den Ofen auf 250 Grad Celsius vorheizen. Dann den Teig rund wirken, in ein Körbchen verfrachten und zur Stückgare anstellen. Die Stückgare kann sehr unterschiedlich ausfallen je nachdem wie kalt es der Teig im Kühlschrank hatte, wie aktiv der Sauerteig ist etc. pp.Es ist wichtig, dass Du den Teigling bei so genannter Vollgare backst, denn dann bekommst Du den optimalen Ofentrieb. Wie Du erkennen kannst, wann die Stückgare vorbei ist und der Teigling Vollgare erreicht hat, erfährst Du in diesem Video.
- Variante FreigeschobenWenn der Teig knappe Gare erreicht hat ggfs. einschneiden und in den Ofen einschießen.Mit kräftigen Schwaden für ca. 40 Minuten fallend auf 200 Grad Celsius backen. Nach 10 Minuten den Dampf ablassen.
- Variante Gusseiserner TopfWenn der Teig knappe Gare erreicht hat ggfs. einschneiden und möglichst erschütterungsfrei in den Topf verfrachten, Deckel drauf und rein in den Ofen.Nach 20 Minuten den Deckel abnehmen und das Brot bei 230 Grad noch 20 – 25 Minuten weiter backen.
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48 Comments
Pane di Altamura - mipano
3. Oktober 2019 at 7:04[…] Pane di Altamura […]
Oslovski
24. Oktober 2019 at 6:32Kann ich den Teig auch in einer Kastenform gehen lassen und anschließend backen, vielleicht mit Alufolie als Topfersatz?
Johann Anderl
10. Februar 2020 at 16:58Bei dem Brot geht es mir wie Dir. Ich habe auch schon die unterschiedlichsten Rezepte (auch wesentlich aufwändigere) und Mehle gebacken.
Bei allen war der Geschmack meist Klasse, aber die Optik (Trieb und Großporigkeit) sehr unterschiedlich. Meine Hartweizen-LM hat auch nach dem dritten Auffrischen nicht die Power zur Groß-Porenbildung, wie sie in machen Bildern zu sehen ist. Meine Erfahrung ist die, daß Langzeitreife zwar gut für die Geschmacksbildung ist aber die Krume kleinporiger wird.
Daher denke ich, daß viele Brotbilder eher mit Hefe und Kurzeitgare entstanden.
Mit welcher LM (Hartweizen oder Weizen) hast Du Dein Brot auf dem Bild gebacken?
Gruß Johann
Massimo Sanfelice
24. März 2020 at 21:57Abend, kannst Du mir sagen was ASG ist? Beste Grüße aus München
Pacifico
7. April 2020 at 18:57Hallo ich weiss jetzt nur nicht was lievito Madre und semola ist und bekommt man das beim rewe?
Lg
Anja Herkelmann
16. Mai 2020 at 15:02Das Brot sieht umwerfend aus ! Kann der LM direkt aus dem Kühlschrank kommen, oder muss er Raumtemperatur haben. Grüße ! Anja
Sieglinde Friedemann
10. August 2020 at 7:33Wieviel Grad sollten es im Null-Grad-Zonen Fach sein?
Wieviel Grad hat das Schüttwasser?
Sebi
2. Juni 2020 at 11:13Hallo, wie lange soll die Stückgare im Gärkorb dauern? Das habe ich nicht ganz rauslesen können.
Jeroen
30. Juni 2020 at 13:39Hallo Oliver, ist es problematisch wenn die Kühlschrankzeit deutlich länger dauert als von dir angegeben? Ich würde ihn zeitlich bedingt etwa 24 Stunden im Kühlschrank lagern müssen…
Miriam
21. November 2020 at 13:33Bin zwar noch sehr am Anfang, sodass meine Brote immer entweder über – oder untergar werden ….grrrr… aber einen Tipp habe ich trotzdem:
Wenn man an das Mehl nicht bei seinen üblichen Quellen kommt, kann man auch Molino Zappala mal ausprobieren.
Tobias
7. April 2021 at 1:24Hallo, vielen Dank erstmal für das tolle Rezept!
Eine Frage: Wie ungefähr fällt die Stückgare bei der Variante mit Hefe aus?
Vielen Dank vorab!
Tobias
8. April 2021 at 21:01Das Brot ist soeben fertig geworden. Sehr klasse! Vielen Dank für die Tips bei der Variante mit Hefe! 🍀
Laura Brunmaier
13. April 2021 at 18:08I am just beginning to learn about these breads and trying to source good flour. Can you share where you buy your flour on the internet? I am in the US, most flour is heavily processed. Thank you!
Silke Klein
3. Mai 2021 at 11:14Hallo Oliver, ich habe dein leckeres Brot schon mehrmals nachgebacken, mit kalter und auch warmer Teigführung. Leider bekomme ich keine große Porung hin.
Geschmacklich ist dieses Brot der Hammer, wenn man aber den Laib so in der Hand hält, denkt man, man hat einen kleinen Medizinball produziert…
Kannst du mir bitte mal die warme Teigführung genauer beschreiben (bis jetzt habe ich immer nach Gefühl gedehnt und gefaltet, vielleicht liegt da ja der Fehler).
Lieben Dank und Gruß aus Berlin
Silke
Silke
3. Mai 2021 at 14:45Hallo Oliver,
Vielen Dank für Deine schnelle Rückmeldung. Heute wird es dann wohl nochmal ein Medizinball😅, da das gute Stück schon in der Mache ist.
Beim nächsten Versuch werde ich mich an Deine Tipps halten.
Den „Turbo“ kann ich aber heute schon versuchen. Ich werde mal den Ofen inkl. Gusseisernen Topf aufheizen.
Herzliche Grüße
Silke
Christian
24. Juni 2021 at 22:52Hallo Oliver! Habe gerade mit grossem Interesse diese Geschichte und das Rezept gelesen. Jetzt bin ich auf Amazon auf der Suche nach Semola Rimacinata. Ist das tatsächlich Mehl oder Hartweizengriess? Es gibt sehr viele „Semola di grano duro rimacinata“. Deine Geschichte finde ich so großartig das ich gerne versuchen würde das nachzubacken. Bin dankbar für jeden Tipp. Wäre auch dankbar für einen Tipp wo du das Senola Rimacinata gekauft hast. Hier bei uns in der Schweiz ist‘s schon extrem schwierig Gerstenmehl für ein Vierkornbrot zu bekommen. Vielen Dank und viele Grüsse Christian
Jacqueline
1. März 2022 at 13:28Hallo Oliver,
ich habe unlängst ein LM getrocknet direkt in der Meraner Mühle gekauft. Da ich sehr gerne dein Rezept mit der LM Variante ausprobieren würde ist meine Frage, wie ich mit dem Pulver umgehe bzw. wie ich es verwende. Muss das Pulver erst „aktiviert“ werden? Ich habe schon mal ein Brot mit LM gebacken und das ging nicht auf und war steinhart.
Herzliche Grüße
Jacqueline
Werner
17. Mai 2022 at 23:14Hallo Jacqueline,
ich würde nicht das Pulver nehmen sondern damit Lievito Madre ansetzen, da müsste eigentlich eine Beschreibung dabei sein. Ich meine bei mir waren es 10g Pulver auf 40 g. Mehl und 20 g Wasser. Gut verkneten, das gibt einen kleinen gummiartigen Ball. 12 Stunden bei 28 -30 Grad reifen lassen. Ich habe eine Wärmflasche in eine Schüssel und das Glas mit einem Küchentuch abgedeckt im Ofen stehen lassen. Ich hab ein kleines Thermometer dabei. Dann zu der Masse nochmal 40 g Weizenmehl und 20g Wasser alles gut verkneten und weitere 12 Stunden warm reifen lassen, danach im gut verschlossenen Glas in den Kühlschrank stellen bzw. backen. Möglichst nie alles aufbrauchen sondern immer wieder auffrischen mit der doppelten Menge Mehl im Verhältnis zum Wasser.
Fhina
18. März 2022 at 0:35Hallo,
eine Frage, kann ich die Stockgare auch bei Raumtemperatur machen und die Stückgare dann im Kühlschrank? In dann direkt in den heißen Topf? Wie würden sich die Zeiten dann ändern?
Marleen
19. April 2022 at 16:36Hi Oliver,
Das sieht ja klasse aus. Hast du das Hartweizenmehl mühlenfein gemahlen von Ketex dazu ausprobiert? Bei der Meraner Mühle kann ich das nicht finden?
Vielen Dank und Grüße
Marleen
19. April 2022 at 16:41Hi Oliver,
Das sieht ja klasse aus. Hast du das Hartweizenmehl mühlenfein gemahlen von Ketex dazu ausprobiert? Bei der Meraner Mühle kann ich das nicht finden?
Vielen Dank und Grüße
Karin Uhrich
5. Dezember 2022 at 0:43Hallo Oliver,
ich habe mit einem Hartzweizenmehl, das ich von Gustini gekauft habe, versucht das Brot nach zu backen. Mir kam der Teig mit 440 g Hartweizenmehl „Semola rimacinata“ und den 300 gr. Wasser sehr fest vor. Der Lievito, den ich dreimal aufgefrischt habe, hat auch keine Feuchtigkeit in den Teig gebracht. Daher habe ich noch 30 gr Wasser eingearbeitet. Der Teig war feuchter bwz. klebriger. Das Brot ist schön aufgegangen, auch im Ofen Allerdings ist es sehr feinporig geworden und hat leider keine schöne große Poren. Liegt das nur an dem zusätzlichen Wasser? Im Kühlschrank ruhte der Teig bei cirka 2-3 Grad. Die Stückgare betrug ca 50 Minuten. Können die feine Poren an dem zusätzlichen Wasser liegen? Ist es richtig, dass der Teig so fest sein muss wie er Anfangs war? Mein Hartweizenmehl „Semola rimacinata“ habe ich bei „Gustini“ gekauft. ES kommt von einer Mühle in Neapel.
Grup
Karin
Lars
21. Dezember 2022 at 22:47Den Fragen schließe ich mich vorbehaltlos an. Und bei mir ist das Brot auch quasi nicht aufgegangen…Wahrscheinlich hätte ein halbes Prozent Hefe geholfen, mein LM hat es nicht gebracht… und es scheint mir auch zu torcken, trotz der theoretischen TA von über 180…
MARCO
14. Dezember 2022 at 23:45Sehr schöne Webseite!
Christian
1. Februar 2026 at 20:58Hallo Oliver, ich habe das Rezept ausprobiert, der Geschmack wirklich super, leider hat bei mir die Stockgare nicht so geklappt und erst nach dem warm stellen ging der Teig etwas hoch.
Es fehlt die grobe Porung wie bei dir, da muss ich noch üben, alles in allem ein super leckeres Brot mit Hartweizen Sauerteig.
Vielen Dank dafür so ein reines Hartweizen Rezept habe ich schon lange gesucht.
Oslovski
24. Oktober 2019 at 10:12Danke für die ausführliche und schnelle Antwort.
Und nein, ich bin im Ausland ohne Backstein, Topf etc und nur mit einem Gasofen mit Unterhitze, bei dem Schwaden schwierig ist ????… das einzige erschwingliche Vollkornmehl ist indisches Atta=Hartweizenmehl, deshalb freu ich mich über das Rezept. Ich werde mal improvisieren und berichten.
Sebi
4. Juni 2020 at 0:07Vielen Dank für die Antwort. Leider kam sie für die gestrige Backsession zu spät. Ich werde morgen einen erneuten Versuch wagen. Ist Deine LM mit Weizenmehl oder mit Hartweizenmehl?
Doris Andris
23. September 2020 at 17:29Hallo, ich habe einen Brotbackofen, wie heiss und wie lange backe ich das Brot?
Tobias
7. April 2021 at 17:39Vielen Dank für die schnelle Antwort! Ich mach mich jetzt ran und versuche es auf diesem Weg. Prima!