Browsing Tag

kalte Führung

Brot

…dann sollen sie halt Brioche essen! Brioche nach Joachim Wissler

Obiger Spruch wird der französischen Königin Marie Antoinette angedichtet. Die soll – sinngemäß – gesagt haben, das Volk, das kein Brot habe, solle halt Brioche essen.

Mittlerweile scheinen sich die Historiker geeinigt zu haben, dass besagte Königin, das Statement betreffend, das Opfer übler Nachrede geworden ist. Nützen tut das Marie Antoinette dennoch nichts mehr, denn die Rübe ist nun mal ab und die Geschichtsschreibung zur Königin bleibt in Summe wenig schmeichelhaft.

Die Sache mit dem Brioche muss zu dieser Zeit eine besonders perfide Unterstellung gewesen sein, denn gutes klassisches Brioche ist vollgestopft mit den damals koststpieligen Produkten Ei und Butter. Ergo: wer sich kein Brot leisten kann, kann sich mit Sicherheit schon gar kein Brioche leisten. Und wer als Monarchin solche Sätze sagt, der hat es noch weit bis zur „Königin der Herzen“.

Das klassische Brioche ist ein wundervolles Brot, das schon lange ein Nischendasein in besseren, klassisch geprägten Restaurants fristet. Dort wird es in der Regel von einem steifen Kellner mit einer silbernen Zange zu Stopfleber, Geleé und Sauternes gereicht. Nicht, dass an dieser Kombination – so man es moralisch vertreten kann – etwas auszusetzen wäre. Sie ist nicht ohne Grund ein Klassiker.

Schade ist viel mehr, dass das köstliche Brioche darüber hinaus viel seltener verwendet wird als es ihm gebühren würde…

Continue Reading

Diese Beiträge könnten Dich auch interessieren:

Brot

Köstliches Bierbrot und erste Erfahrungen eines Sauerteigneulings… Bierbrot, frei nach Plötz

Ich gebe es offen zu: mein neues Projekt „Sauerteig-Brot“ zehrt ein wenig an meinem Nerven. Die meisten Versuche enden zwar lecker, häufig gehen die Brote aber nicht ausreichend hoch.

Es gibt zwar eine ganze Menge hervorragender Spezialblogs und Foren. Doch sind diese, zumindest kurzfristig, nur begrenzt hilfreich.

Denn: ganz offensichtlich erfordert es für gute Sauerteigbrote eine Kleinigkeit, die man sich nicht anlesen kann: Erfahrung!

Um die optimale Gare zum Backen zu ermitteln soll man zum Beispiel mit einem bis drei Fingern vorsichtig den Teig eindrücken. Springt der Teig sofort zurück, ist er unterentwickelt. Bleibt die Delle, sollte man sehr zügig backen. Und zuckt die Delle noch leicht zurück, dann kann es los gehen!

Dumm nur: bei mir springt der Teig immer ein bißchen zurück. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Aber eindeutig ist das nie!

Das ist schlecht. Denn bei Sauerteig-Rezepten scheinen die Zeitangaben in Rezepten nur grobe Richtwerte zu sein und fallen damit als Orientierung weitgehend aus. Zu unterschiedlich und instransparent ist der Aktivitätsgrad des eingesetzten Anstellgutes, als das man sich an den Angaben im Rezept sicher orientieren könnte.

Da lobe ich mir das folgende Bierbrot-Rezept. Das ist Dank des eingesetzten Bieres herrlich rustikal aromatisch.

Und – noch besser: durch die kalte Gare ist dieses Sauerteig-Rezept dankenswerterweise ziemlich „foolproof“.

Continue Reading

Diese Beiträge könnten Dich auch interessieren:

Brot

Schöner scheitern: köstliches italienisches Brot – mit Startschwierigkeiten

Wie dem aufmerksamen Leser dieses Blogs vermutlich aufgefallen ist, halte ich mich ungern strikt an Rezepte. Das ist häufig sehr erfreulich, mitunter aber – wen wundert es – kurzzeitig durchaus frustrierend. „Kurzzeitig“ übrigens deshalb, weil man – zumindest nach meiner Erfahrung – durch Misserfolg viel mehr lernt als durch Erfolg. Zum einen zwingt einen der Misserfolg, darüber nachzudenken warum etwas funktioniert oder eben auch nicht. Und zum anderen brennen sich Fehler und die daraus entstandenen Erkenntnisse viel stärker in die Wahrnehmung ein als Erfolge, die man ja in der Regel als mehr oder weniger naturgegeben hinnimmt: „hat halt funktioniert, na und?“

Ein schönes Beispiel ist das folgende Brot, das nicht nur im Endergebnis absolut köstlich ist, sondern auf dem Weg zum Erfolg für einigen Lernstoff gut war…

Continue Reading

Diese Beiträge könnten Dich auch interessieren:

Brot methoden & zusammenhänge

Was ist kalte Führung und warum kann man damit köstliches Baguette backen? Die Sonntagsfrage vom 03.05.2015

Worum geht es?

Die kalte Führung (oder auch lange Gare) beschreibt eine Methode im Rahmen der Stockgare.

Lange Gare 1

Der Brotback-Prozess

Dieser Prozess-Schritt ist insbesondere für die Vermehrung der Hefen zuständig – aber auch für die Aromenbildung (wer es ganz genau wissen will, schaut am besten beim Plötzblog). Während im „normalen“ Prozess die Stockgare bei Raumtemperatur oder wärmer durchgeführt wird, reduziert man für die kalte Führung (bzw. kalte oder lange Gare) die Umgebungstemperatur ganz bewusst, in dem man den Teig im Kühlschrank lagert.

Der Ansatz der kalten Führung basiert dabei auf der Annahme, dass ein langsamer Fermentationsprozess zu besseren Ergebnissen, mithin zu mehr Geschmack führt.

Denn: die Hefen geben unterhalb von 20 Grad keineswegs die Arbeit auf – sie arbeiten lediglich langsamer und besser.

Gibt es noch mehr Vorteile der kalten Führung?

Die kalte Führung hat viele Vorteile. Der größte Pluspunkt, neben dem Geschmack, ist , dass man die größte Herausforderung, die der Backprozess für den Laien bereit hält, erheblich entschäft: das Treffen der richtigen Gare.

Denn: um einen guten Ofentrieb, eine schöne Krume und damit einen guten Geschmack zu bekommen, muss der Teigling bei so genannter „knappen Gare“ in den Ofen. Das bedeutet, dass die Hefen schon ordentlich gerackert und dabei jede Menge Kohlendioxid produziert haben, jedoch noch fit genug sind, im Ofen nochmal Vollgas zu geben. Das ist umso kritischer, je „schwerer“ die verwendeten Mehle sind.

Die „knappe Gare“ zu treffen ist umso kniffeliger, weil es keine allgemein-gültigen Regeln gibt und man nie zu denselben Rahmenbedingungen backt. Teigtemperatur, Raumtemperatur, Mehlsorten, Aktivitätsgrad des Sauerteiges – all das kann sich ändern. Und so ist viel Erfahrung notwendig, um den idealen Zeitpunkt sicher zu treffen.

Abhilfe schafft die kalte Führung: denn diese Methode verlängert das „ideale Zeitfenster“ dadurch, dass der Teig kalt aus dem Kühlschrank kommt und somit auch die Stückgare langsamer als normal abläuft.

Darüber hinaus kann man sich nach „hinten heraus“ bei der Stockgare entspannen. Ob der Teig einige Stunden mehr im Kühlschrank reift, macht keinen großen Unterschied. Wichtig ist lediglich: er muss Blasen geworfen haben. Wir haben den Teig schon mal zehn Stunden „überzogen“, ohne dass das negativ aufgefallen wäre.

Der Teig nach der kalten Führung – er wirft deutlich Blasen und ist fertig zum Formen der Teiglinge

Wie funktioniert es in der Praxis und worauf sollte man noch achten?

Man kann sehr viele Brotrezepte auf kalte Führung „umbauen“. Dabei gilt die Daumenregel: je weniger Zutaten ein Brot hat, je mehr Geschmack also im Rahmen des Fermentationsprozesses produziert werden muss, um so besser eignet sich die Methode (wer es ganz genau wissen will, der lese im hier immer wieder gerne zitierten „The Science of good cooking“ nach).

Kritisch sind lediglich Brote mit hohem Sauerteig-Anteil: hier muss man austesten, ob das Brot zu sauer wird oder nicht.

Das Umbauen geht wie folgt:

  • Die ursprünglich im Rezept vorgesehene Hefemenge um mindestens 1/3, eher mehr, reduzieren. Dabei gilt die Daumenregel: je stärker man die Hefe-Menge reduziert, desto mehr Zeit benötigt der Teig im Kühlschrank.
  • Dann den Teig bei Raumtemperatur „starten“ lassen – so 45 bis 60 Minuten. Dabei 2 – 3 Mal Dehnen und Falten.
  • Im Anschluss den Teig, mit Frischhaltefolie abgedeckt oder besser noch in einer geschlossenen Plastik-Box, in den Kühlschrank verfrachten. Der Teig ist fertig, wenn er deutlich Blasen wirft.
  • Am Backtag den Teig 45 – 60 Minuten „aufwärmen“ lassen. Dann, wie im Rezept angegeben, zunächst zur Stückgare anstellen und im Anschluss backen.

Kalte Führung

Mit dem nachfolgenden Rezept lässt sich zum Beispiel das leckerste Baguette produzieren, die jemals unseren heimischen Backofen verlassen haben.

Der fertige Vorteig

Der Hauptteig nach dem Kneten – vor dem Dehnen und Falten

Der Teig hat nach dem dritten Mal Dehnen und Falten deutlich an Struktur zugelegt

4 von 2 Bewertungen
Drucken

52 Stunden-Baguette nach Plötz

Autor Oliver

Zutaten

Für den Vorteig

  • 160 g Weizenmehl 550
  • 160 g Wasser
  • 0,3 g Frischhefe

Für den Hauptteig

  • 350 g Weizenmehl 550
  • 215 g Wasser
  • 3 g Frischhefe
  • 10 g Salz

Anleitungen

Für den Vorteig

  1. Die Zutaten abends mischen und 16 bis 20 Stunden bei um die 20 Grad reifen lassen.

Für den Hauptteig

  1. Den Vorteig, das Mehl und 165 g Wasser verrühren. Das Ganze 30 Minuten bei Raumtemperatur abgedeckt ruhen lassen (Autolyse)

  2. Salz und Hefe zum Teig geben. 

  3. Variante Thermomix: 

    Den Teig im Thermomix auf der Knetstufe 8 Minuten kneten.

    In den letzten Minuten peu-a-peu in kleinen Mengen die restlichen 50 g Wasser dazu gießen. 

    Das Wasser gut in den Teig einarbeiten und erst dann die nächste Portion zugeben.

  4. Variante Kennwood, Kitchen Aid & Co:

    Den Teig 10 Minuten auf langsamer Stufe kneten. 

    Den Teig auf schneller Stufe weitere 10-15 Minuten kneten - dabei portionsweise in kleinen Mengen die restlichen 50 g Wasser zugießen. 

    Der Teig ist fertig, wenn er sich beim Kneten vollständig von der Schüssel löst. 

  5. Den Teig eine Stunde bei Raumtemperatur eine Stunde ruhen lassen. Dazwischen drei Mal dehnen und falten.

  6. Dann den Teig abdecken und ca. 32 Stunden im Kühlschrank bei 4 - 6 Grad lagern.

    Das Volumen sollte sich im Kühlschrank mindestens verdoppeln. Der Teig muss Blasen schlagen - dann ist er fertig.

  7. Am Backtag den Teig ungefähr eine Stunde bei Raumtemperatur aufwärmen lassen. 

    Dann den Teig in vier Teiglinge teilen und rollen. 

    Weitere 15 Minuten ruhen lassen und im Anschluss zu Baguettes formen.

    Nochmals 45 Minuten bei Raumtemperatur ruhen lassen.

  8. Dann einschneiden und im Dampf bei 250°C 20-25 Minuten backen. 

    "Dampf" bedeutet: ein im Ofen vorgeheiztes, tiefes Blech mit 150 - 200 ml kochendem Wasser befüllen. Das Blech nach zehn Minuten entfernen.

    Weiter backen, dann aus dem Ofen nehmen und auf einem Rost auskühlen lassen.


Abonniere jetzt cookin` – neue Beiträge per Mail

Ja! Ich möchte per Mail über neue Beiträge informiert werden. Ich gehe mit diesem Abo keinerlei Verpflichtungen ein! Ich kann es jederzeit kündigen.


 Applaus ist das Brot des Künstlers!

Gefällt Dir dieser Blog? Dann gib ihm doch etwas zurück und schenke ihm ein like, share oder oder oder…

Diese Beiträge könnten Dich auch interessieren: