Theorie

Vollkornbrötchen

Wir waren, wie berichtet, vier Wochen in Vietnam.

Nach einer guten Woche Zwischenstopp zuhause sind wir im Anschluss fünf Wochen durch Italien und Frankreich getourt.

Dabei haben wir etwas gelernt.

Über Italien und Frankreich als Reiseland gibt es grundsätzlich nichts zu Meckern (außer vielleicht an den auffällig mies gelaunten französischen Rentnern in der Camargue).

Aber: rein körperlich ging es uns mit der Kohlenhydrat- und Fleisch-armen Küche Vietnams wesentlich besser als mit Pizza, Pasta, Baguette und Brioche.

Ein wesentlicher Unterschied: in Vietnam gab es viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch und – Achtung: wichtig!!! – kaum Weißmehl-Produkte. In Italien und Frankreich gab es Pasta, Weissbrot und Fleisch ohne Ende. Versteh mich nicht falsch: ich bin ein großer Fan von Baguette, Ciabatta & Co.

Aber die praktische Erfahrung der letzten Monate zeigt, dass Weißmehl ein Produkt ist, das man besser nur in Maßen zu sich nehmen sollte.

Umso schöner, dass diese Vollkornbrötchen kein Zugeständnis an die Gesundheit sind: sie sind zwar ballaststoffreich und deshalb ernährungsphysiologisch günstiger als Brötchen aus Auszugsmehl.

Aber: sie sind gleichermaßen sehr, sehr lecker und vor allem fluffig. Du musst in Sachen Genuss keine Abstriche machen.

Das Getreidekorn und seine Bestandteile

Ein Weizenkorn besteht aus drei Schichten: der äußeren Schale (Kleie), dem Keimling und dem stärkereichen Mehlkörper im Inneren. Bei der Herstellung von Auszugsmehlen wie dem Type 550 werden Schale und Keimling weitgehend entfernt – übrig bleibt fast ausschließlich der helle Mehlkörper.

Die Typenzahl gibt dabei an, wie viel Asche (also Mineralstoffe) in 100 Gramm Mehl enthalten sind: Bei Type 550 sind es rund 550 Milligramm. Je höher die Zahl, desto mehr Schalenteile sind noch im Mehl enthalten.

Vollkornmehl hingegen enthält das gesamte Korn – Schale, Keimling und Mehlkörper werden gemeinsam vermahlen. Es trägt deshalb keine Typenzahl, weil es per Definition immer das vollständige Korn repräsentiert.

Was geht beim Aussieben verloren?

Mit der Schale und dem Keimling verschwinden beim Auszugsmehl genau jene Bestandteile, die ernährungsphysiologisch besonders wertvoll sind: Ballaststoffe, B-Vitamine (vor allem B1, B2, B6 und Folsäure), Vitamin E, Mineralstoffe wie Magnesium, Eisen und Zink sowie sekundäre Pflanzenstoffe. Der Mehlkörper selbst besteht hauptsächlich aus Stärke und Protein – er liefert Energie, aber kaum Mikronährstoffe.

Vollkornmehl enthält all diese Stoffe in natürlicher Konzentration und schneidet in der Nährstoffbilanz daher deutlich besser ab.

Wie wirkt sich das auf Bekömmlichkeit und Gesundheit aus?

Der hohe Ballaststoffgehalt von Vollkornbackwaren hat gleich mehrere praktische Auswirkungen: Ballaststoffe quellen im Magen auf, fördern das Sättigungsgefühl und unterstützen eine gesunde Darmtätigkeit. Der Blutzucker steigt nach dem Verzehr von Vollkornprodukten langsamer an als nach hellen Backwaren – das liegt an der langsameren Verdauung der Stärke im Zusammenspiel mit den Fasern. Für Menschen, die ihren Blutzucker im Blick behalten möchten, kann das ein relevanter Vorteil sein.

Gleichzeitig ist Vollkorn nicht für jeden problemlos verträglich. Wer eine empfindliche Verdauung hat oder an einem Reizdarmsyndrom leidet, verträgt den hohen Ballaststoffanteil manchmal schlechter – zumindest in der Umstellungsphase, wenn der Körper noch nicht daran gewöhnt ist. Ein langsamer Einstieg, also nicht von heute auf morgen ausschließlich Vollkorn, ist in solchen Fällen oft sinnvoller.

Helles Weizenmehl wie das Type 550 wird von vielen Menschen als bekömmlicher empfunden und liefert dem Körper schnell verfügbare Energie. Für Backwaren mit feiner Krume und luftiger Textur ist es nach wie vor erste Wahl – ernährungsphysiologisch bleibt es aber hinter Vollkornprodukten zurück.

Vollkornbrötchen mit Körnern

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Zutaten
  

Vorteig

  • 50 g Weizenvollkornmehl
  • 50 g Wasser
  • 0,5 g Hefe, frisch

Brühstück

  • 60 g Gemischte Körner
  • 60 g Wasser

Kochstück

  • 25 g Weizenvollkornmehl
  • 65 g Wasser

Hauptteig

  • 100 g Vorteig (von oben)
  • 120 g Brühstück (von oben)
  • 90 g Kochstück (von oben)
  • 40 g Sauerteig, egal ob Weizen-, Roggen- oder Dinkelsauerteig (die Aktivität spielt keine Rolle)
  • 150 g Weizenvollkornmehl
  • 120 g Tipo O-Weizenmehl
  • 145 g Wasser
  • 9 g Salz
  • 2 g Hefe
  • Saaten für "Obendrauf" z.B. Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Sesam, Chiasamen, Leinsamen etc.

Anleitungen
 

Vorteig

  • Mische die Zutaten und lasse den Vorteig ca. 12 Stunden, am besten über Nacht, bei Raumtemperatur stehen.

Brühstück

  • Überbrühe die Körner mit dem kochenden Wasser und lasse das Ganze abgedeckt abkühlen. Du kannst das Brühstück verwenden, sobald es komplett abgekühlt ist.

Kochstück

  • Erhitze die Masse unter regelmäßigem Rühren bei mittlerer Hitze. Sobald sie zu "blubbern" anfängt, ziehe den Topf vom Herd und rühre noch 1-2 Minuten weiter. Dann lasse das Ganze abgedeckt abkühlen.

Hauptteig

  • Mische Mehl und Wasser zu einer homogenen Masse und stelle das Ganze abgedeckt zur Autolyse an. 60 Minuten sollten es mindestens sein, 2-3 Stunden wäre besser.
  • Dann gibst Du alle weiteren Zutaten dazu und knetest den Teig aus, bis er den Fenstertest besteht.
    Wie Du sicherstellen kannst, dass der Teig perfekt ausgeknetet ist, erfährst Du in diesem Erklärvideo.
  • 1 Stunde Stockgare bei Raumtemperatur, dabei nach 20, 40 und 60 Minuten dehnen und falten (Dehnen & Falten ist ein wichtiger Arbeitsschritt beim Brotbacken. Warum das so ist und wie es funktioniert erfährst Du in diesem Erklärvideo).
  • Im Anschluss gibst Du den Teig für 16-24 Stunden in den Kühlschrank.
  • Am nächsten Tag nimmst Du den Teig aus dem Kühlschrank und lässt ihn 30-60 Minuten bei Raumtemperatur akklimatisieren.
  • Im Anschluss stichst Du 8-10 Teiglinge nach Augenmaß ab und wälzt sie in den Saaten.
    Eine gute Methode dafür: du schüttest die gemischten Schale in eine kleine Schüssel, legst den Teigling mit der Oberseite nach unten auf die Saaten und schwenkst die Schüssel zwei bis drei mal vorsichtig im Kreis.
    Dann sie die Saaten perfekt auf der Oberfläche verteilt.
    Im Anschluss stellst Du die Teiglinge abgedeckt für 30-60 Minuten zur Stückgare an.
  • Du heizt den Ofen auf 240°C vor.
  • Wenn die Teiglinge fertig sind, schießt Du sie in den Ofen ein und bedampfst ordentlich [Erklärvideo].
  • Nach 10 Minuten lässt Du den Dampf ab. Nach insgesamt 18-20 Minuten sind die Brötchen fertig.

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2 Comments

  • Reply
    Johann Anderl
    14. Juni 2026 at 8:55

    5 Sterne
    Hallo Oliver.
    Ein tolles Rezept.
    Was noch fehlt:
    Wie und welche Sämereien kommen auf die Brötchen?
    Gruß JAN

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